Es ist schon etwas außergewöhnlich nach Berlin zu fahren und zwar nicht mit einem vollgepackten Auto, weil wir wieder einen Stand machen. Aber eine Einladung zur Verleihung des FairTrade-Awards 2012 konnten wir nicht abschlagen. Kurz zusammengefasst: Das vegan/vegetarische Essen war sehr bescheiden für ein Nobel-Hotel und die Verleihung an Lidl hat bei uns am Tisch für Sprachlosigkeit und Buh-Rufe gesorgt.
Aber vielleicht etwas ausführlicher.
Das Ambiente war dem Anlass entsprechend gewählt, ein nobles Hotel direkt beim KaDeWe um die Ecke. Schließlich wurden nicht einfach nur die Preise für den FairTrade-Award verliehen. Die Veranstaltung war auch Teil des 20-jährigen Jubiläums von FairTrade Deutschland.
Gnadenlos underdressed wurden wir bereits von KellnerInnen mit Sekt, Saft und Wasser empfangen. Unter den gut 200 Gästen vielen wir aber trotzdem nicht weiter auf. Der Saal selbst war entsprechend festlich gedeckt und mit Blumen geschmackvoll dekoriert. Das viele Besteck und die Menge an Gläsern irritierte zum Glück nicht nur uns.
Die Vorspeise – Fingerfood von „mit Fisch“ bis vegan – war stylisch und lecker. Die Getränke kostenlos und es gab sogar Bier (auch alkoholfrei). Die anderen Leute am Tisch waren nett. Von daher alles bestens, um einen schicken Abend zu verbringen. Leider war der erste Dämpfer der Hinweis im Programm, dass Lidl sich nicht nur um den Preis beworben hatte, sondern es sogar unter die letzten drei geschafft hatte. Aber, wie gesagt, die Leute am Tisch waren nett und von dort kam sofort der Vorschlag, wenn Lidl was gewinnt wird gebuht.
Nach dem Fingerfood und einem guten Salat, samt sehr leckerem Magarine-Blätterteiggebäck, kam es dann zu den Preisverleihungen. Moderiert von Anke Engelke, die es immer wieder verstand zwischen lockerem Plauderton und ernster Ankündigung hin und her zu wechseln. Natürlich wurden die obligatorischen Reden gehalten und der Vertreter von FairTrade Afrika war mit seinem an Hawaii-Hemd ähnlichem Polo ähnlich underdressed, wie wir.
Die PreisträgerInnen und Bilder der Verleihung sind übrigens hier zu finden.
Als dann Lidl tatsächlich sogar den zweiten Platz machte, gab es nicht nur sehr verhaltenen Applaus, sondern auch, wie verabredet Buh-Rufe von unserer Seite. Die Verleihung an Lidl blieb auch in den Medien nicht unkommentiert – kritisch wird darüber bei NDR-Info und taz berichtet. Es ist wie bereits beim Beginn der Zusammenarbeit von Lidl und FairTrade Deutschland, die Frage, wie weit Standpunkte aufgeweicht werden, um eine Idee weiter in den Mainstream zu tragen.
Für uns jedenfalls ist nicht nur eine fairer Umgang im Handeln mit dem globalen Süden wichtig, sondern auch korrekte Arbeitsbedingungen im globalen Norden und da hat Lidl sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Von den Bedingungen in den nicht fair zertifizierten Waren ganz zu Schweigen.
Und weil wir gerade beim Meckern sind: das vegan/vegetarische Hauptgericht war ein Witz. Beilagenteller hätte besser gepasst. Ein Haufen Weichweizen, einige bissfest Möhrenscheiben und einige unmotivierte Spinatblätter alles kurz in einem Würzöl geschwenkt – da gibt es in jedem Steakhaus einfallsreicheres veganes Essen!
Von daher haben wir zum Dessert unsere Getränke geleert und sind dann gegangen…